Weihnachten
GEDANKEN ÜBER DIE NÄCHSTENLIEBE

DAS PRODUKT „WEIHNACHTEN“

von | 7. Dezember 2016

Eigentlich sollte das ein Beitrag werden über gelebte Weihnacht, die Herbergssuche von Maria und Josef. Der Beitrag sollte ausdrücken, dass ich viele Parallelen zu unserer heutigen Zeit sehe. Nachdem ich aber  mit meinen Recherchen begonnen hatte, ließ ich die Idee wieder fallen. Ich erkannte, dass es keinen weiteren Text mehr braucht, der darauf hinweist, wie wichtig es ist, meinen Mitmenschen mit Respekt und Achtung zu begegnen – unabhängig von ihrem Aussehen, von ihrer Herkunft, ihrem Einkommen und ihrer Glaubensrichtung.

Jenen, denen es bis jetzt schwerfällt, ihre Vorurteile und ihr Misstrauen gegenüber Fremden abzulegen, wird auch ein weiterer Text nicht dabei helfen, Vertrauen zu fassen. Und alle anderen, für die es selbstverständlich ist, jemandem in Not eine helfende Hand zu reichen, benötigen kein weiteres Aufmerksammachen mehr. Ein Text zu diesem Thema wäre also in jeder Hinsicht sinnlos.

Mein ursprünglicher Plan war, mit meiner Kamera die Stimmung auf den Adventmärkten festzuhalten – Weihnachtsschmuck, geschmückte Tannenzweige, Kerzenlicht, dampfende Punschbecher, Hände, die sich über Feuer wärmen, … ganz nach dem Motto „gelebte Weihnacht“. Diese Bilder hätten auch perfekt zu meinem ursprünglichen Text gepasst – Motive, die jedem vertraut sind und von denen es schon unzählige gibt. Also genau so verzichtbar wie der Text.

Aber so ganz lässt mich dieses Thema dann doch nicht los und ich stellte mir die Frage, warum es mich so beschäftigt. Aus Angst? Davor, dass sich die Geschichtsschreibung wiederholt? Aus Unverständnis, dass manche meiner Mitmenschen aufgrund von Nationalität, Glaube, Aussehen, … einen Unterschied machen, wem Hilfe zukommen soll? Oder vielleicht sogar aus Ärger über mich selbst, dass ich meinen Hintern nicht hochbekomme und aktiver werde um zu helfen? Wahrscheinlich ein wenig von allem.

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Fast noch wichtiger als die Frage nach dem Warum ist diese: Was kann ich für mich verändern, um dazu beizutragen, ein bisschen mehr Menschlichkeit zu verbreiten? Vielleicht bei der nächsten Gelegenheit, wenn jemand seinen Unmut über die Flüchtlingssituation kundtut und unreflektiert Pauschalurteile  von sich gibt, nicht verlegen schweigen, sondern dazu Stellung beziehen. Darauf hinweisen, dass eine solche Einstellung sowohl einzelnen Punkte der Menschenrechte widerspricht als auch mit den christlichen Grundwerten nicht vereinbar ist. Oder wenn ich mir das nächste Mal in einer Bäckerei ein Stück Mehlspeise kaufe, daran zu denken, ein zweites Stück mit zu nehmen, um es später jemanden auf der Straße zu schenken, der offensichtlich nicht die Möglichkeit hat, sich das selber zu kaufen. Mich bei unserer Rot-Kreuz-Stelle im Ort informieren, wo ich mich melden kann, um Menschen, die eine neue Bleibe suchen und mit unseren Kultur und Sprache nicht vertraut sind, zu helfen.

Ich kann auch besser darauf achten, mich nicht durch Werbung dazu verleiten zu lassen, Nächstenliebe durch materielle Dinge zu ersetzen! Wahrscheinlich würde ich allein schon damit viel bewirken, häufiger einfach mal ein Lächeln zu verschenken. Aber vor allem sollte ich darauf achten, Weihnachten weniger als ein Produkt zu sehen, das sich im Dezember (und meistens schon viel früher) gut verkaufen lässt, sondern mich bemühen, es in seinem ursprünglichen Sinne wahrzunehmen – als Fest der Nächstenliebe und unabhängig von den Jahreszeiten danach leben.

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Wie ich feststelle, habe ich viele Möglichkeiten dazu beizutragen, meine Welt ein bisschen freundlicher, wärmer und menschlicher zu gestalten  – ich muss einfach nur Augen, Ohren und Herz offen halten.

Und damit werde ich nicht bis zum 31. Dezember warten, um es dann in einem Neujahrsvorsatz zu fassen. Ich beginne am besten gleich jetzt damit!

HIER SCHREIBT
Nicki Neundlinger

Nicole Neundlinger

Nicki trifft hauptsächlich Bauchentscheidungen. Deshalb macht sie oft ungewollte Umwege oder weiß manchmal nicht so genau, wo Beginn und Ziel ihrer Reise ist. Aber das stört sie nicht. Damit ein Bild für sie „Gültigkeit“ hat, muss es nicht technisch perfekt sein, sondern es muss Gefühle transportieren. Diesen – ihren ganz individuellen Weg – will sie unbedingt weiter gehen und immer wieder neu finden.

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Kreativität ist ein Produkt aus Verlangen, innerer Überzeugung, Erfahrung, Denken und Experimentierfreude!

Nicole Neundlinger

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