Architekturfotografie
EIN SPAZIERGANG DURCH DÜSSELDORF

BRÜCKEN ZWISCHEN MENSCHEN & BAU(KUNST)

von | 2. Mai 2017

Die Darstellung, das Gebäude, ist das wichtigste Ausdrucks- und Gestaltungsmittel in der Architektur – somit eine Herausforderung für Handwerker und Architekten. Formensprache – Form – aus dem lateinischen forma – bezeichnet, wie bzw. was sich durch das Äußere der Architektur verändert. Unter Einbezug der Umgebung versucht man ein Gebäude harmonisch zu integrieren. Nicht immer ist dieses in einem Stadtbild einfach darstellbar.

Architektur in Düsseldorf

© Elke Schmitz I a photo is a way I Formensprache „Lifting“

Gerne nehme ich Dich auf einen kleinen Spaziergang durch Düsseldorf mit. Die Umgestaltung des Rheinhafens zum Medienhafen in den ca. 1990er Jahren war ein städtebaulicher Anfang, dem Altes weichen musste. Es wurden aber auch  neue Flächen erschlossen.

Es wurde keine Flächensanierung betrieben, sondern Grundstück für Grundstück individuell behandelt und seinem künftigen Nutzer angepasst. Auf diese Weise wurde das Gebiet nicht in ein einheitliches architektonisches Korsett gezwängt. Stattdessen leisten internationale renommierte Architekten wie Frank O. Gehry, David Chipperfield, Joe Coenen, Steven Holl und Claude Vasconi ihren kreativen Beitrag zum Gesamtbild (Quelle: duesseldorf-tourismus).

Beginnen wir den Spaziergang bei dem im Zentrum gelegenen Objekt „Tausendfüßler“, das entweder saniert oder abgerissen werden sollte, um eine neue, größere Fläche zu gestalten.

Daniel Libeskind hat nach dem Abriss des seit 50 Jahren bestehenden Tausendfüßlers (Spitzname der Autohochstraße) der die Authochstraße mit dem Kö-Bogen verband, eine wunderbare Symbiose inmitten einer Großstadt kreiert. Hier wurde ein modernes Gebäude zwischen der „grünen Lunge – Oase“, der Landskrone (Teich des Hofgarten) und dem Hofgarten als Ruhepunkt für Menschen erschaffen.

Architektur in Düsseldorf

© Elke Schmitz I a photo is a way I Düsseldorf Kö-Bogen – „Mittelpunkt Mensch“

„Nicht das Objekt Kö-Bogen steht im Mittelpunkt, sondern der Mensch“ (Daniel Libeskind)

Als Düsseldorferin, die die hier arbeitet und lebt, ist es eine Freude, die Wirkung des Kö-Bogen vom Hofgarten zu betrachten: Wenn im Herbst zwischen den eingefärbten Baumkronen die vertikalen Streifen der Fassade wie ein Scanner Code wirken und nachts konträr dazu fast wie ein Zebrastreifen.

Architektur in Düsseldorf

© Elke Schmitz I a photo is a way I Düsseldorf Kö-Bogen – „Scanner Code“

Hier „kommuniziert“ eine Sprache der Formen … und dies vor der Kulisse des Dreischeibenhauses und Schauspielhauses. Somit hat Düsseldorf ein ansprechendes Zentrum, in dem Menschen direkt am Wasser sitzen können sowie eine Anbindung an den Hofgarten haben.

ALLES NUR FASSADE?

© Elke Schmitz I a photo is a way I Düsseldorf Kö-Bogen – „Fassade“

„Was ein Volk zu sagen hat, spricht es aus in jedem Fall und wenn wir seine Formensprache da beobachten, wo es zwanglos spricht und wir finden nachher in der großen Kunst, in der Architektur, dieselben Formen wieder.“ (Heinrich Wölfflin)

Gerade die Fassade eines Gebäudes drückt vieles aus: Ob es die Geschichte ist, oder ob es die Kauflust der Menschen, die neugierig daran vorübergehen, widerspiegelt.

© Elke Schmitz I a photo is a way I Köln – COO Cologne Oval Offices „Softeis“

Schade ist, dass gerade bei dem Kö-Bogen von Daniel Libeskind eine tendenzielle Schablonenhaftigkeit zu erkennen ist. Denn Warenhäuser sind immer schon Liegenschaften zur Präsentation gewesen. An der Königsallee liegt das ehemalige Warenhaus Titz (heute Kaufhof, erbaut 1909), das ein wunderbares Beispiel jener eleganten Konsumpaläste darstellt, die den Wohlstand der Gründerzeit mit viel jugendstilhaftem Fassadendekor zum Ausdruck brachten.

Vor dem Hintergrund dieser Geschichte erscheint der Kö-Bogen eher als Stagnation, und die Eingänge sind eher schmal, vermitteln so ein Gefühl der Enge.

VERBINDUNG – ZUSAMMENFÜHRUNG ZWISCHEN MENSCHEN UND BAU(KUNST)

© Elke Schmitz I a photo is a way I Düsseldorf – GAP15 „Lichtschacht“

Nicht immer gibt es gelungene Verbindungen von Baukunst und Mensch, wie auch Emil Baschnonga beispielsweise in Zusammenhang mit Fassaden aus Glas feststellt („Psychoanalyse in der Baukunst“).

WOHLFÜHLMODUS

© Elke Schmitz I a photo is a way I Düsseldorf Medienhafen

Es ist die alte Zwickmühle, aber möglich: Im Grünen und zugleich in der Stadt zu wohnen. Als Stadtmensch das Gefühl umrankt von Pflanzen und Natur zu sein, direkt vor der eigenen Haustüre, solch eine wunderbare Oase steigert die Lebensqualität.

Dies zeigt der Architekt Stefano Boeri mit dem “Vertikalen Wald” in Mailand auf – er hat in der norditalienischen Stadt zwei Wohntürme bauen lassen, die komplett bewaldet sind. Die beiden 110 und 76 Meter hohen Gebäude beherbergen 900 Bäume sowie 20.000 weitere Pflanzen. Auf flachem Land bräuchte man 7.000 Quadratmeter für all die Bäume.

Jedes Appartement hat einen Balkon mit Bäumen. „Im Winter lassen sie das Sonnenlicht rein, während sie im Sommer Schatten spenden und die Temperaturschwankungen zwischen drinnen und draußen reduzieren. Sie absorbieren Partikel verschmutzter Luft und produzieren Sauerstoff“, erklärt Boeri. Zudem bauen die Pflanzen Kohlenstoffdioxid ab und dämmen den Stadtlärm. Eine grüne Oase in der City (Quelle: Jan Söfjer).

© Elke Schmitz I a photo is a way I Düsseldorf MedienHafen „kreativer Mix“

Ein kreativer Mix zwischen Mensch und Bau(kunst) bereitet letztendlich ein Wohlgefühl, in der Umgebung seiner Arbeitsstätte als auch zu Hause. Ich denke, dass Architekten immer versuchen werden, diese Mixtur zu bedenken.

Zu guter Letzt ein wenig Spaß:

Drei Studenten reden darüber, wer den menschlichen Körper entworfen hat. Der erste sagt: „Das muss ein Maschinenbauer gewesen sein – denkt doch an die ganzen Gelenke!“ Der zweite: „Nein! Das muss ein Elektroinstallateur gewesen sein. Denkt doch nur an das komplette Gehirn und die ganzen Nerven.“ Der dritte wehrt ab: „Nein! Das muss ein Architekt gewesen sein. Wer denn ist sonst so blöd und legt das Abwassersystem mitten in den Vergnügungspark!“

© Elke Schmitz I a photo is a way I Düsseldorf MedienHafen „Vergnügungspark“

HIER SCHREIBT

ELKE SCHMITZ

Elke unternahm ihre ersten fotografischen „Gehversuche“ mit ihrer Kodak Retina. Nach einem Studium zur Textilingenieurin prägte und schulte sie ihr „grafisches“ Auge in einigen namhaften Werbeagenturen.  Ihre Intention: Die strenge Formgebung der Baukunst in eine schwungvolle, weiche umzuwandeln. Sie „sieht“ ein Objekt/Gebäude oft viele Male – und doch immer wieder ANDERS.

quotation-mark

Die Kamera lässt dich vergessen,dass du da bist. Das hat nichts damit zu tun,dass man sich dahinter versteckt. Nein, man vergisst einfach Zeit und Raum,weil man nur Augen für sein Motiv hat.

Annie Leibovitz

ELKE ON AIR