Almabtrieb in Tirol I Eine Fotoreportage

AUS DEM LEBEN EINES SCHÄFERS

von | 15. Oktober 2016

Es sollte meine zweite Wanderung mit den Schafen werden. Im Frühjahr vor zwei Jahren hatte ich Hirten und Herde aus dem Südtiroler Schnalstal über den Alpenhauptkamm auf die Sommerweiden nach Vent ins hintere Nordtiroler Ötztal begleitet. Ein guter Freund machte mich nun darauf aufmerksam, dass es auch im Stubaital einen schönen Schafabtrieb gibt. Die Tiere verbringen den Sommer auf den saftigen Almweiden. Der Almabtrieb ist ein wichtiges Ereignis in den Alpentälern. Er bezeichnet den Einzug des Herbstes: Die Tage werden kälter, und die Tiere werden deshalb wieder zurück ins Tal gebracht.

Da ich ein recht spontaner Mensch bin, habe ich also kurzfristig meine Pläne geändert, und fuhr ins Stubaital auf die Neue Regensburger Hütte. Nach dem Frühstück um acht Uhr morgens ging es los. Ich schloss mich gleich dem Schäfer Markus an, um mit ihm den ganzen Tag die Schafe auf den Bergwiesen zu suchen und zusammen zu treiben.

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Sportlich hüpft der Schäfer über Stock und Stein. Wie mir vom letzten Schafübertrieb schon bekannt war,haben Schäfer ein sehr schnelles Tempo, sogar für einen routinierten Berggeher ist es nicht leicht, ihnen nachzukommen. Vor allem auch gleichzeitig noch zu fotografieren.

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Markus ist mehr oder weniger den ganzen Sommer über bei den Schafen, allerdings immer nur am Wochenende. ln seinem  „richtigen“ Job arbeitet er wochentags bei der Stubaier Gletscherbahn. Schafe hüten ist für ihn ein Ausgleich, welchen er mit Leidenschaft ausübt. Das sieht man ihm auch an. Er strahlt eine innere Ruhe aus, die seine Tiere zu spüren scheinen. Die Schafe liegen Markus sehr am Herzen. Ganz fürsorglich kümmert er sich um ein neugeborenes Lämmchen und um das Mutterschaf.

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Für die letzte fehlende Herde ist ein Fußmarsch von eineinhalb Stunden über ein schroffes Bergmassiv nötig. Kein richtiger Weg führt dorthin. Für Markus ein Spaziergang, für mich eine richtige Herausforderung. Leider gibt es davon keine Fotos, da ich mich darauf konzentrieren musste, im steilen Gelände nicht abzustürzen.

Wieder bei der Hütte angekommen kehren die Schäfer nochmals ein, um sich für den Abstieg zur Alm zu stärken. Dort legen sie noch einen kurzen Zwischenstopp ein, um dann sonntags ganz ins Tal abzusteigen. Ich kehre auch zurück und bin dankbar für diesen wunderbaren Einblick in das Leben eines Schäfers.

HIER SCHREIBT

KATERINA FISER

Die Fotografie ist Katerinas Leidenschaft. Für sie gibt es nichts Schöneres als das Festhalten von Erinnerungen, Stimmungen und das „Sichtbarmachen“ des Unsichtbaren. Hauptberuflich arbeitet Katerina im Eventmanagement und reist zu den verschiedensten Orten der Welt. Sie liebt die Reisefotografie und sucht meistens Plätze abseits der Touristenpfade, um die Einzigartigkeit des Landes und der Bewohner festzuhalten.

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You trust your eye and you cannot help but bare your soul. One’s vision finds of necessity the form suitable to express it.

Inge Morath

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