FOTOGRAFIEREN ZU JEDER JAHRESZEIT

HERBSTFEUER IM FRÜHLING

von | 21. März 2016

Im Grunde kann ich mich mit jeder Jahreszeit anfreunden, ist es doch oft nur eine Sache der Perspektive, ob etwas Segen oder Fluch ist. Ich finde mich ganz gut darin zurecht, dass es eine Saison gibt, in der man draußen nicht viel verpasst und endlich dazu kommt, zum Beispiel die ganzen Fotos aufzuarbeiten, die den Sommer über im Rohzustand auf dem PC gestapelt wurden. Es gefällt mir, wenn es im Spätwinter wieder länger hell bleibt. Nur eine bestimmte Art Situation tut mir in der Seele weh: An einem strahlenden Herbsttag vor dem Schreibtisch sitzen.

Um so dankbarer bin ich, dass der vergangene Herbst mit Sonnenstunden überaus spendabel war – gerade auch am Wochenende, wenn mich wirklich nichts daran hindert, die Kamera zu nehmen und versuchsweise das Staunen in Pixel umzusetzen. Wenn jetzt der Eindruck entsteht, dass ich für den Herbst besonders viel über habe – ich widerspreche gewiss nicht. Die tief stehende Sonne lässt die Natur leuchten, harte Schatten sorgen für Akzente. Kurzweiliger präsentiert sich die Vegetation das ganze Jahr nicht. Überdies riecht es zwischen Ende August und Ende Oktober draußen am besten, meine ich. Und vielleicht am wichtigsten: Trockenes Laub mit den Füßen aufwirbeln und es so richtig rascheln lassen.

Die traurige Seite der Betrachtung ist, dass nichts, gar nichts, ewig währt. Der Herbst muss sehr oft als Erinnerung an die Vergänglichkeit allen Seins herhalten. Wenige Wochen nur dauert es, bis der Spätsommer in den Frühwinter übergeht. Doch es gibt Trost: Eine Kaltfront, die Gesellschaft unsympathischer Menschen, die nächste Zahnbehandlung, und noch viel unangenehmere Angelegenheiten gehen ebenfalls vorüber.

Was also tun? Als Assoziation fällt mir ein Ratschlag von Banksy ein:

Nothing in the world is more common than unsuccessful people with talent.
Leave the house before you find something worth staying in for.

Eine Empfehlung, die auch ich zu oft missachtet habe. Deshalb sage ich – weder als Erster noch als Letzter:

Genießt den schönen Augenblick in Dankbarkeit!
Denn die beste Gelegenheit ist immer jetzt.

 

HIER SCHREIBT

GOTTFRIED JÄGER

Darum geht es in Gottfrieds Fotos: Eine Szene, eine Stimmung, eine Wahrnehmung in ein Bild fließen zu lassen – aufzunehmen – um sie dann mit Anderen zu teilen. Die digitale Fotografie fasziniert ihn wegen der einfachen Zugänglichkeit des Teilens von Bildern mit beliebig vielen Menschen auf dem ganzen Planeten. Gleichzeitig erschreckt es ihn, wie wenig Aufmerksamkeit dem einzelnen Bild aufgrund der dadurch entstehenden Menge zukommt. Wenn eines seiner Bilder die Betrachterin, den Betrachter berührt, ist viel gelungen.

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Nicht eine Vorstellung realisieren, sondern eine Realität vorstellen, das ist: Fotografie.

Gottfried Jäger (der Andere)

GOTTFRIED ON AIR