MÜLLENTSORGUNG I EINE REPORTAGE

AUSSERHALB DER KOMFORTZONE

von | 11. November 2015

Eine Frau würde sich nur sehr selten hierher verirren, sagt Deponiewärter S. Wenn überhaupt, dann mit zugehaltener Nase. Es riecht auch wirklich nicht übertrieben gut. Irgendwann gewöhne man sich dran, erklärt S. schulterzuckend, während er mich durch die Deponie führt und mir die einzelnen Arbeitsvorgänge erklärt. Ein Glück, denke ich mir, dass ich die Reportage nicht bei 35°C, sondern bei herbstlichen Temperaturen fotografiere.

Müll: Alltag auf einer Deponie

Für S. und seine vier Kollegen, die auf der Deponie arbeiten, gehören Hartgummireifen, verrosteter Stacheldraht und ausrangierte Federkernmatratzen zum Alltag. Ebenso kaputte Autofelgen, Kühlschränke, medizinische Abfälle aus dem nahe gelegenen Krankenhaus und braune Abwasserbrühe, die zu klären ist. Dichter Staub vernebelt die Verarbeitungshalle. Die klarste und am wenigsten belastete Luft zum Atmen, sagt S., hat man in der Kabine des Frontladers. Der kurvt gerade zielsicher und elegant durch die Staubwolken.

An die zahlreichen ausländischen Lastwagenfahrer hat man sich gewöhnt. Die sprachliche Verständigung bleibt aber schwierig. Sie seien billiger, erklärt man mir. Und außerdem: Welcher Österreicher oder welche Österreicherin findet es schon prickelnd, von Berufs wegen den Dreck anderer Leute weg zu räumen?

Otto Normalverbraucher trennt seinen Müll mehr oder weniger sorgfältig. Er stellt die Verantwortung dafür mit der Mülltüte am Sammelplatz ab. Was mit dem Abfall und den enthaltenen Schadstoffen danach passiert, will die Masse lieber gar nicht so genau wissen.

Beim gemeinsamen Kaffetrinken im Aufenthaltsraum erinnern wir uns, dass es noch gar nicht so lange her ist, als man vollgekackte Plastikwindeln oder alte Geräte einfach im Wald entsorgt hat. In vermeintlich umweltfreundlichen und naturbelassenen Alpentälern wurde manch schrottreifes Auto kurzerhand eingegraben. Das ging wie nebenbei, wenn der Bagger anrückte um beispielsweise ein Grundstück zu begradigen.

Rund 4,5 Millionen Euro wurden investiert, um die mechanisch-biologische Abfallbehandlungsanlage auf der Deponie zu errichten. Im Jahr 2014 sammelte der hiesige Abfallwirtschaftsverband mehr als 23.000 Tonnen Abfall. Da staunen auch die Schafe, die unweit der Deponie grasen, nicht schlecht.

HIER SCHREIBT

REGINA M. UNTERGUGGENBERGER

Regina wollte schon als kleines Kind Geschichten schreiben. Später, bereits tief im Berufsalltag einer Kommunikationsentwicklerin verankert, wollte sie unbedingt fotografieren. Heute macht sie beides. Sie erzählt Geschichten in Bild und Wort. Geschichten von besonderen Menschen, Plätzen und Begegnungen. Dabei legt sie stets Wert auf die innere Verbindung zu den Menschen, Landschaften und Dingen, die sie portraitiert.

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Was heutzutage von Zeit zu Zeit notwendig wäre, das wäre so etwas wie eine geistige Müllabfuhr.

Ernst Ferstl

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