Beim Olala Strassentheaterfestival in Lienz

In einer Welt voll wunderbarer Geschichten

von | 12. August 2017

Nun ist es schon wieder vorbei, das Olala Straßentheaterfestival in Lienz, das heuer bereits zum sechsundzwanzigsten Mal in Szene ging. Die Lienzer Innenstadt war brechend voll mit Straßenkünstlern und Schaulustigen von jung bis alt. Alles ist energiegeladen und voller Leben, alles ist farbenfroh. Meine Kamera habe ich dieses Mal zuhause gelassen, um die funkensprühende Atmosphäre dieses bunten Treibens unabgelenkt aufsaugen zu können. Mögen dir, geschätzte Leserin und geschätzter Leser, die Bilder von 2016 Gusto machen, den Alltag hinter dir zu lassen und wie Alice im Wunderland einzutauchen in eine Welt voller unglaublicher und wunderbarer Geschichten.

Die bunten Farben, detailreich gefertigten Kostüme, Akrobatik und Körperbeherrschung, die ausgefeilten Choreographien und fantasievollen Auftritte der Künstler aus aller Herren Länder begeistern mich jedes Jahr aufs Neue. Viele Geschichten, die von den Künstlern auf verschiedene Art erzählt werden, wirken so einfach, so naheliegend. Und doch so genial. So wie damals, als wir immer mittwochs im Fernsehen das Kasperltheater sahen. Die Geschichten begannen stets sachte und harmlos. Beim Schmettern des Beckens aber erahnten, ja fürchteten wir den Auftritt und das folgende Ungemach durch den Zauberer Tintifax.

Es geht um Unbeschwertheit und die Freude an einfachen Dingen. Um gut und böse, um Streiche, die man einander spielt, um Schabernack, aber niemals um hoch aggressive Boshaftigkeit oder Unversöhnlichkeit. Es geht um den Wechsel von Bierernst und Humor. Man hofft und weiss insgeheim: Die Geschichte geht gut aus. Die Unmittelbarkeit der Darstellungen zieht mich in ihren Bann. Ich vergesse alles um mich herum als ein Stelzentheaterensemble aus Hamburg in Blumen- und Tierkostümen an mir vorüber schwebt. Und ich schwebe mit ihnen. Zahlreiche Fotografen jagen den Straßenkünstlern hinterher, ich halte mich meistens lieber in etwas Entfernung. Den Rest erledigt das Teleobjektiv. Trotz des Gedränges versuche ich, gefällige Perspektiven und Bildausschnitte, Bildkompositionen sowie Anschnitte zu erreichen.

Wenig später hat ein Kapellmeister seine liebe Not mit den Musikerinnen und Musikern seines kanadischen Straßenorchesters. Er hat sich alles perfekt zurecht gelegt. Allein die Musikerinnen und Musiker wollen ihm nicht so recht folgen und hintertreiben seine Pläne, wo es nur möglich ist … genauso wie in vielen Amateurorchestern gang und gäbe. Alter Musikerschwank: Was haben Kondom und Kapellmeister gemeinsam? Mit ist sicherer, ohne ist schöner …

Die Straßenkünstler entführen uns zurück in eine Zeit als wir noch nicht darüber nachdachten, ob es schicklich ist zu kreischen, zu johlen und unvermittelt vom Sitzplatz aufzuspringen. Der Stimmungspegel steigert sich zu unbändiger Wonne, wann immer spritzendes Wasser im Spiel ist. Selbiges kann man bei Temperaturen um die 30°C auch wirklich gut gebrauchen.

Durch die digitale Fotografie und auch durch Smartphones ist es so einfach wie nie, einen „Event“ zu reproduzieren. Quasi wiederholbar zu machen. Dennoch hat das Strassentheaterfestival in Lienz für mich den Hauch eines „auratischen Augenblicks“, wie ihn Walter Benjamin beschreibt. In seinem Essay „Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit“ (1935) sagt Benjamin: „An einem Sommernachmittag ruhend einem Gebirgszug am Horizont oder einem Zweig folgen, der seinen Schatten auf den Ruhenden wirft – das heißt die Aura dieser Berge, dieses Zweiges atmen.“ Sowohl die Beobachterposition als auch die Erfahrungsform und die Idee der Durchdringung von Ferne und Nähe entsprechen dabei seiner Idee eines auratischen Augenblicks. Besonders kommt dies zum Ausdruck, wenn das Publikum nicht nur Beobachter, sondern auch Teilnehmer eines Acts ist, wie beispielsweise in einem feucht fröhlichen „Gladiatorenkampf“.

 

HIER SCHREIBT

REGINA M. UNTERGUGGENBERGER

Regina wollte schon als kleines Kind Geschichten schreiben. Später, bereits tief im Berufsalltag einer Kommunikationsentwicklerin verankert, wollte sie unbedingt fotografieren. Heute macht sie beides. Sie erzählt Geschichten in Bild und Wort. Geschichten von besonderen Menschen, Plätzen und Begegnungen. Dabei legt sie stets Wert auf die innere Verbindung zu den Menschen, Landschaften und Dingen, die sie portraitiert.

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Das Gegenwärtige ist das Ewige, oder richtiger das Ewige ist das Gegenwärtige, und das Gegenwärtige ist das Erfüllte.

Søren Kierkegaard

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