Atacama
An der spanischen Mittelmeerküste

Radlos in Valencia

von | 30. November 2016

Als ich vor zwanzig Jahren das erste Mal nach Spanien reiste, hat mich das Land sofort in seinen Bann gezogen. Die facettenreiche Landschaft, die mediterrane Küche und die freundlichen, unkomplizierten Leute waren damals schon ein Grund, warum ich die spanische Sprache lernen wollte. Jahre später, nach einigen Grundkursen an der Volkshochschule, erfültte ich mir einen meiner großen Träume, und buchte einen 14-tägigen Sprach-Intensivsprachkurs in Valencia.

Die Vorfreude war groß, und als ehemalige Reisebüroexpedientin informierte ich mich natürlich im Vorfeld genau über alles Sehenswerte der Stadt. Vor allem aber auch über das Alttagsleben der Valencianer. Am besten gefiel mir, dass sich die Einheimischen – auch meinen eigenen Gewohnnheiten entsprechend – vorwiegend mit dem Rad fortbewegen. Mit dem Fahrradverleih „Valenbisi“ sollte es auch ganz einfach und bequem sein, ein Rad für die nächsten 14 Tage zu mieten.

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ln Valencia angekommen, machte ich sogleich eine kleine Erkundungstour durch die Altstadt. Der Herbst hatte hier bereits Einzug gehalten und sorgte mit einem Hauch von Vergänglichkeit für eine ganz besondere Stimmung. Die bunten Straßen mit stilvollen Graffitizeichnungen auf Häusern und Garagen trafen sofort meinen Geschmack. Hinter den Rolltoren der Garagen versteckten sich kleine Boutiquen und nendas, die pünktlich nach dem Ende der Siesta um 17 Uhr ihre Pforten öffneten.

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Ich wollte den genauen Standort der Sprachschule ansehen, damit ich am ersten Kurstag auch gleich hinfinde. Mein Plan war, ein Fahrrad zu mieten, um damit schnell und komfortabel in die Schule zu fahren. Die erste „Valenbisi“ Leihstation war gleich gefunden, allerdings hatte ich mir das Ausleihen viel einfacher vorgestellt. Nach einer geschlagenen halben Stunde musste ich leider erst mal aufgeben und mich mit dem Gedanken anfreunden, vorläufig zu Fuß zur Schule gehen zu müssen.

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Mein täglicher Schulweg führte durch den „Jardin del Turia“, dem ehemaligen Flussbett des „Rio Turia. Um die kontinuierlichen Überschwemmungen der Stadt zu vermeiden wurde der Fluss im Jahr 1957 südlich der Stadt umgeleitet, das Flussbett trocken gelegt und in einen Park verwandelt. Heute wird die über neun Kilometer lange grüne Oase von Joggern als Erholungsgebiet, von Fahrradfahrern, Familien und Naturfreunden genutzt. Und hier findet man sogar geschmackvoll gestaltete Mülltonnen.

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Der Unterricht in der Sprachschule gestaltete sich unterhaltsam und abwechslungsreich. An einem der Kurstage machten wir eine Exkursion zum „Mercado Central“, dem Hauptmarkt der Stadt. Auf einer Fläche von über 8.000 qm2 im prächtigen, mit Tageslicht durchfluteten Jugendstilgebäude, gibt es so gut wie alles zu kaufen. Der Schwerpunkt liegt dabei auf Lebensmitteln. Obst, frisch gepresste Säfte, Gemüse, Fleisch, Fisch und Meeresfrüchte gibt es hier in Hülle und Fülle. Ein Ort mit einer außergewöhnlichen Atmosphäre, den man gesehen haben muss.

Nach mehreren Fehlversuchen war ich leider immer noch nicht im Besitz eines Leihrades und musste mein Nachmittagsprogramm mit der Metro bewältigen. Das sah dann so aus, dass ich täglich nach dem Unterricht zum Strand fuhr, um ein bisschen Sonne zu tanken. Nur wenige Minuten entfernt befinden sich die Stadtstrände Las Arenas, EI Gabanal und Malvarrosa, wo man herrlich flanieren und entspannen kann. Zahlreiche Restaurants und Strandbars laden zum Verweilen ein, um bei dem ein, zwei „Cervezas“ die Aussicht aufs Meer zu genießen.

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Ein Fixpunkt aus meiner Liste war die Besichtigung der „Ciudad de las Artes y de las Ciencias“ welcher nur schwer mit der Metro erreichbar war. Enttäuscht vom „Valenbisi Radservice“ beschloss ich kurzerhand, mir einfach bei einem gewöhnlichen Radgeschäft ein Fahrrad für den Nachmittag auszuleihen, um mir am letzten Urlaubstag dieses besondere architektonische Kunstwerk am anderen Ende des Turia Parkes anzusehen. Der beste Abschluss einer außergewöhnlichen Reise mit einem wunderschönen orangen Fahrrad.

Gelernt habe ich dabei (außer einer marginalen Verbesserung meines spanischen Sprachschatzes und der Erkenntnis, dass das „Valenbisi Radservice“ eigentlich nur Einheimische benützen), die Alltagsgewohnheiten daheim zu lassen. Was hätte ich alles versäumt, wäre ich nicht 14 Tage lang zu Fuß durch die Stadt gegangen. Denn nur wenn man offen für Neues ist, nimmt man Dinge bewusst wahr, erweitert seinen Horizont und kann die wunderbare Leichtigkeit des Seins genießen.

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KATERINA FISER

Die Fotografie ist Katerinas Leidenschaft. Für sie gibt es nichts Schöneres als das Festhalten von Erinnerungen, Stimmungen und das „Sichtbarmachen“ des Unsichtbaren. Hauptberuflich arbeitet Katerina im Eventmanagement und reist zu den verschiedensten Orten der Welt. Sie liebt die Reisefotografie und sucht meistens Plätze abseits der Touristenpfade, um die Einzigartigkeit des Landes und der Bewohner festzuhalten.

4 Kommentare

  1. Hallo Katerina.
    Wusste gar nicht, dass du mal in einem Reisebüro gearbeitet hast. Wo lag denn das Problem beim Fahrrad Ausleihen?

    LG
    Regina

  2. Hi Regina, das Problem war, dass das „unkomplizierte“ Ausleihen bei den Automaten für einen längeren Aufenthalt nicht möglich war. Man hätte sich wohl davor in der Zentrale registrieren müssen, von der ich bis heute nicht weiß, wo die sich in Valencia befindet. Das nächste Mal werde ich den Empfehlungen meiner Mitstudenten folgen und einfach ein Rad am Flohmarkt kaufen für die Studienzeit. Ist billiger und unkomplizierter.

  3. Das klingt wirklich kompliziert.

    Das erste Problem ist natürlich, dass auf der Webseite Dinge versprochen werden, die in der Praxis nicht gehalten werden können. Glaube mir, ich arbeite jetzt 12 Jahre u. A. als Kommunikationsberaterin und habe noch nie verstanden, warum Unternehmer das tun. Da kann ja nur ein unzufriedener Kunde dabei rauskommen. Und gerade heute, wo alles und jedes bewertet wird, ist das gar nicht mal so trivial. Gut, wenn der Umsatz stimmt, wird’s ihm wurscht sein, wenn hier und da mal einen Kunden verprellt.

    Der zweite Punkt, der mir speziell bei Unternehmen, die vom Tourismus leben, öfters auffällt: Es ist immer wieder erstaunlich, wie wenig die Touristiker und Dienstleiser vom „Gastsein“ verstehen und wie wenig sie sich am Kunden orientieren. Wenn ich als Touristiker oder Anbieter, der mit Tourismus zu tun hat, mal etwas weiter weg fahre und Urlaub mache, dann weiß ich doch eigentlich ziemlich genau, was ich in meinem Betrieb zu tun habe.

  4. die gleiche Erfahrung habe ich in Warschau gemacht mit den Stadträdern, aber vielleicht bin ich einfach für diese Art von Dienstleistung nicht geschaffen…in Innsbruck probiere es gar nicht, da ich ja selbst ein Rad besitze

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