ATACAMA I CHILE

MEIN ROADTRIP IN DER TROCKENSTEN WÜSTE DER WELT

von | 26. Oktober 2016

Endlich überreichte uns der Typ von Werkstatt den Schlüssel für unseren umgebauten VW Bus, der für die nächsten Tage unser Zuhause sein sollte.

Nachdem ich gemeinsam mit einem Freund mehrere Tage und Nächte in einer Bar in der kleinen  chilenischen Wüstenstadt San Pedro de Atacama verbracht hatte, während wir auf das Freiwerden eines Campers warteten, konnte unsere Reise in die trockenste Wüste der Welt endlich losgehen. Als wir den Camper mit jeder Menge Wasser, Proviant und Fotoausrüstung beluden, ahnten wir noch nicht, was für eine unglaublich Vielfalt uns erwartete.

Circa eine halbe Stunde nachdem wir losgefahren waren, führte uns die Straße immer höher hinauf in die Anden. Relativ schnell merkten wir, dass wir nicht sehr weit kommen würden, wenn wir bei jedem atemberaubenden Ausblick eine Pause zum Fotografieren einlegten.

Das Ziel unseres ersten Tages war ein Flamingo Reservat inmitten einer kleinen Salzlagune auf 2500 Metern Seehöhe. Auf dem Weg dorthin fuhren wir durch schier endlose Hochebenen die von Schneebedeckten Vulkanen umgeben waren.

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Da Landkarten Gottseidank nicht des Beifahrers größte Stärke waren, verfuhren wir uns, und durften auf einem über 4000 Meter hohen Pass eine Landschaft betrachten, die wir uns so nicht einmal erträumt hätten. Vor uns erstreckte sich ein schneeweißer Salzsee umgeben von tiefroten Steinen inmitten von bunten Bergen.

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Als wir uns nach einem längerem Aufenthalt dann endlich von diesem unwirklichen Ort losreißen konnten, erreichten wir  schon sehr bald das Flamingo Reservat inmitten einer schroffen Salzlandschaft, umgeben von Vulkanen. Da das schon der zweite kleine See in dieser Wüste war, kamen mir allmählich Zweifel daran, dass wir uns hier in der trockensten Wüste der Welt befanden. Wie ich später erfuhr, war das aber die gesamte  jährliche Niederschlagsmenge.

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Die Sonne ging schon langsam unter, und es wurde immer kälter. Wir beschlossen, hier das Quartier für die Nacht aufzuschlagen.

Nachdem wir auch den Parkranger, der anfänglich nur mäßige Begeisterung zeigte, von unserer Idee im Nationalpark zu übernachten überzeugt hatten, konnten wir in aller Ruhe den Tag im Liegestuhl vor unserem Camper mit einer Flasche Wein ausklingen lassen.

Als wir die erste Flasche Wein öffneten, wussten wir noch nicht, dass uns die sternenreichste Nacht erwartete, die wir jemals gesehen hatten. Bis zu diesem Zeitpunkt war mir nicht bewusst, dass es möglich ist die Milchstraße in dieser Klarheit mit freiem Auge zu sehen.

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Nach einer sehr kalten Nacht ging es dann am nächsten Morgen wieder weiter durch atemberaubende Landschaften bis zu einem Canyon, der für seine Kakteen bekannt ist. Wir hatten gehört, es solle einen Kaktus in diesem Canyon geben, der über dreizehn Meter hoch ist. Nun wollten wir uns die Chance auf ein Foto mit diesem Kaktus natürlich nicht entgehen lassen.

Nach ca. 1 ½ Stunden Fußmarsch stellten wir fest, dass wir uns verlaufen hatten. Ohne Wasser hatten wir leider keine andere Wahl als uns auf den Rückweg zu machen, bevor wir diesen uralten Kaktus finden konnten.

Eine Autopanne wirbelte unseren Zeitplan noch mehr durcheinander. Wir mussten uns beeilen, um noch rechtzeitig zum Sonnenuntergang unser nächstes Etappenziel zu erreichen. Eine Hochebene auf über 4500 Metern Seehöhe mit unzähligen Geysiren.

Obwohl das Timing unserer Ankunft sehr gut passte, waren wir wegen des eisigen Windes so durchgefroren, dass wir nur ein paar Fotos machten und dann, auf die Empfehlung eines Mitarbeiters des Camperverleihs hin, weiter zu einem „geheimen Ort“ fuhren, um dort unser Quartier für die Nacht aufzuschlagen.

Wir verbrachten eine Horrornacht mit dünnen Schlafsäcken in einem unisolierten VW Bus bei -15 Grad. Am nächsten Morgen erfuhren wir endlich, was an diesem Ort so genial war. Der Fluss. Ein kleiner Fluss der sich zwischen Geysiren hindurchschlängelte.

Bei einem langen Bad im dampfenden Wasser der Geysire konnten wir dann die Kälte der Nacht aus unseren Körpern vertreiben und dabei sogar eine Herde Lamas bei ihrer morgendlichen Futtersuche beobachten.

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Da wir an diesem Tag schon wieder unser Auto abgeben mussten, nahmen wir nach unserem Bad eine neuen, nicht weniger beeindruckenden Weg zurück in die Stadt.

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Kurz bevor unser Abenteuer zu Ende ging, hatten wir noch Zeit für einen Abstecher in die „Valle de la Luna“. Recht unbedarft fuhren wir in das kleine Tal, und hatten nicht das Gefühl, dass es noch irgendetwas geben könnte, was das Gesehene noch übertreffen könnte.

Doch von einer Minute auf die andere befanden wir uns nicht mehr in der kargen Steinwüste, sondern inmitten einer orange-strahlenden Landschaft aus Sand und Salz, die ich mit offenem Munde staunen ließ.

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Es fiel uns sehr schwer, uns von der Landschaft loszureißen. Doch es nützte nichts, wir mussten zurück zum Ausgangspunkt unseres kleinen Abenteuers, nach San Pedro de Atacama. Nachdem wir das Auto ausgeräumt und getankt hatten konnten wir unseren Camper zurückgeben und mit dem nächsten Bus nach Uyuni fahren, wo bereits die nächste Sensation auf uns wartete.

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ALEXANDER MARXGUT

Alex ist gelernter Mediendesigner und hat das Feld vom äußersten Westen Österreichs in Richtung Osten aufgeräumt, bevor er schließlich als Fundraiser die Bundeshauptstadt Wien rockte. Von Natur aus neugierig, und weil der Job als Werber „also eh nix Fixes“ war, jagt er heute als Fotograf im Unterholz des peruanischen Dschungels Kaimanen und Totenkopfaffen nach. Über seine fotografischen Reiseerfahrungen und -erlebnisse bloggt er auf TraveltoPic.

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Fotografie bedeutet für mich Freiheit, es erlaubt mir Dinge und Orte ganz bewusst zu erwarten.

Alexander Marxgut

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