Heuernte in der Stadt

WORAN ICH MERKE, DASS ES SOMMER IST

von | 22. August 2016

Temperaturen jenseits von 30°C, lange andauernde Trockenheit, Eiscreme essen, T-Shirts und Sandalen tragen? Schlechte Musik in Endlosschleife im Radio? Der neue Blockbuster im Kino? An den Haaren herbei Gezogenes in den Printmedien? Oder doch ganz etwas anderes? Angesichts des doch recht ungewöhnlichen Wetters 2016 frage ich mich, was für mich persönlich die Kennzeichen des Sommers sind. Wie ist es zum Beispiel mit Tätigkeiten, die nur in dieser Jahreszeit verrichtet werden?

Es ist Sommer: Bei der Heuernte

Seit über 20 Jahren – genau weiß ich es gar nicht mehr – mähe ich zwei bis drei mal pro Saison ein Stück Wiese mit der Sense. Ich habe das nie gelernt, kann es nicht gut – aber für geschätzte 150 Quadratmeter spielt das keine Rolle. Eine Blumenwiese ist schön anzusehen, bietet wichtigen Lebensraum für Insekten, heizt sich weniger auf und verdorrt nicht so schnell wie kurzes Gras. Besonders die erste Wiese der Saison beeindruckt. Sie will Anfang bis Mitte Juni gemäht werden, bevor sie vertrocknet. In guten Jahren steht das Gras bis über einen Meter hoch.

Um sich nicht allzu sehr zu plagen, ist es wichtig, vor Sonnenaufgang zu beginnen. So lange das vom Tau nasse Gras im Schatten ist, lässt es sich gut Mähen. Die ungewohnte Bewegung spüre ich oft tagelang in Hüfte und Rücken. Blasen an den Händen habe ich mir auch schon zugezogen. Aber noch etwas kommt dabei heraus, und es ist die Anstrengung mehr als wert: Frisches Heu mit seinem fantastischen Geruch. Diesen durch die Nase aufzusaugen und wirken zu lassen lässt mich den Sommer fühlen wie sonst nur das langsame Trocknen kleiner Wassertropfen auf der Haut durch Sonne und Wind. Am besten nach einem Bad im Meer, im See oder in einem Fluss.

Indes scheinen nicht alle Gartenbewohner glücklich zu sein. Einem zumindest war das Heu in Form einer Wiese lieber. Er blickt in der neuen Situation noch etwas desorientiert in die Gegend.

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HIER SCHREIBT

GOTTFRIED JÄGER

Darum geht es in Gottfrieds Fotos: Eine Szene, eine Stimmung, eine Wahrnehmung in ein Bild fließen zu lassen – aufzunehmen – um sie dann mit Anderen zu teilen. Die digitale Fotografie fasziniert ihn wegen der einfachen Zugänglichkeit des Teilens von Bildern mit beliebig vielen Menschen auf dem ganzen Planeten. Gleichzeitig erschreckt es ihn, wie wenig Aufmerksamkeit dem einzelnen Bild aufgrund der dadurch entstehenden Menge zukommt. Wenn eines seiner Bilder die Betrachterin, den Betrachter berührt, ist viel gelungen.

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Nicht eine Vorstellung realisieren, sondern eine Realität vorstellen, das ist: Fotografie.

Gottfried Jäger (der Andere)

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