Nordkoreas Hauptstadt Pjöngjang

IM REICH DES MARSCHALL #2

von | 14. September 2019

Gabriela reist im Mai 2018 mit einer Wirtschaftsdelegation nach Nordkorea. Ihre ersten Eindrücke im Reich des Marschall schildert sie in Teil 1 dieses zweiteiligen Reiseberichts. In Teil 2 taucht sie noch tiefer in das Land ein …

Wir besichtigen gemeinsam mit unserem Guide das wichtigste Denkmal Pjönjangs. Es sind zwei jeweils 30 m hohe Vollkupfer-Statuen von Kim Jong-uns Vater und Großvater, jede an die 50 Tonnen schwer.

Pjöngjang

Die Statuen werden erst nach dem Tod eines Führers geschaffen und aufgestellt.

Die Autofahrer (davon gibt es nicht viele, wie das nachfolgende Foto zeigt) bremsen auf Höhe des Denkmals ab, und fahren in Schrittgeschwindigkeit daran vorbei. Radfahrer steigen vom Rad und schieben es als Zeichen der Ehrerbietung den Platz entlang.

Pjöngjang

Wir wollen hin, also zumindest ich. Doch da sind gewisse Regeln zu beachten. Wir stoppen am Fuß des Denkmals, zu dem gefühlte 100 Stufen führen. Am Parkplatz gibt es praktischerweise etliche Blumenstände – fast wie am Wiener Zentralfriedhof. Hier sind von jedem Besucher Blumen zu kaufen (vorgefertigte Gebinde, zu einem Preis ab 10 Euro).

Pjöngjang

Dann geht man die Stufen frontal zum Denkmal hoch, legt die Blumen nieder, verneigt sich und geht zurück – das Gesicht stets den Statuen zugewandt. Niemals den Rücken zuwenden! Ich musste den Abstand einhalten, der nötig ist, um die beiden Statuen als Gesamtes zu fotografieren, das hat Kim auch im Display meiner Kamera kontrolliert. Er hat mir aber auch freundlich erklärt, dass es nicht erlaubt ist, die Statuen ausschnittweise oder von der Seite oder gar von rückwärts zu fotografieren.

Ich habe kein Problem damit. Es ist mir freigestellt. Wenn ich das ablehne, dann gehe ich nicht zu den Statuen. Punkt.

Pjöngjang Pjöngjang

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Während der Fahrten durch die Stadt versuche ich – erlaubterweise und ganz offiziell – ein paar Straßenszenen festzuhalten.

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Ein Mitglied unserer Delegation, das schon viel von dieser Welt gesehen hat, besichtigt in jeder Großstadt die jeweilige U-Bahn. Dies war eine echte Herausforderung für unsere Guides. Es hat 1 ½ Tage gedauert, bis wir die Genehmigung bekamen. Dann durften wir eine Station weit fahren. Es hat sich aber gelohnt, die Stationen empfinde ich als unglaublich schön.

Die U-Bahn in Pjöngjang ist die tiefst gelegene der Welt. Sie dient auch als Atomschutzbunker für die Bevölkerung.

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Das Mosaik ist circa hundert Meter lang und besteht aus Briefmarken-großen Mosaiksteinen.

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Wir besichtigen den Turm der Chuch’e-Ideologie. Per Expressaufzug um zwei Euro pro Person saust man hoch und wird mit einem grandiosen Ausblick auf Pjöngjang belohnt.

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Das Essen war überall köstlich. Wir lieben Seafood, auch in der hier üblichen Zubereitung. Es wird in einem im Esstisch integrierten Gargerät gedämpft, als unterste Schicht Reis und darüber alle Arten von Muscheln.

Pjöngjang

Ich habe vorher wie nachher Vieles über Nordkorea gelesen und gehört – Reportagen, Dokumentationen und Berichte in verschiedenen Medien. Das, was manche Journalisten über die Art und den Tonfall von Guides und anderen „Offiziellen“ berichten, kann ich nicht bestätigen. Ich fühlte mich zwar bewacht aber dennoch willkommen.

Natürlich war ich nur in Pjöngjang, und natürlich gilt Pjöngjang als Paradies von Nordkorea. Hier zu leben heißt, es geschafft zu haben.

Pjöngjang

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Ich lasse also meine Bilder sprechen. Denn ich fühle mich weder befugt noch veranlasst, in diesen Reisebericht politische Meinungen einfließen zu lassen. Dies soll lediglich meine Eindrücke wiedergeben. Dass die Dinge bei meiner zweiten Reise nach Nordkorea anders abgelaufen sind … erzähle ich gerne ein anderes Mal …

HIER SCHREIBT

GABRIELA MAINX

Gabriela hat mit der Fotografie den Wandel vom oberflächlichen Schauen zum intensiven Sehen vollzogen. Denn wer sehen kann, kann auch fotografieren. Sehen lernen, das kann allerdings dauern, sagt Gabriela. Ihr ehrgeiziges Ziel als ambitionierte Freizeit-Fotografin formuliert Robert Bresson: Mach sichtbar, was vielleicht ohne dich nie wahrgenommen worden wäre.

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Zwölf gute Fotos in einem Jahr sind eine gute Ausbeute.

Ansel Adams

GABRIELA ON AIR