APA Fotowettbewerb 2012
FOTOGRAF IM BLICK I JOHANN GRODER

Von der Relativität prämierter Fotos

von | 27. Mai 2015

Pressefotograf Hans Groder von der Bildagentur EXPA Pictures hat uns letzte Woche hinter die Kulissen der Sportfotografie blicken lassen. Im zweiten Teil des Interviews erzählt uns der Gewinner des APA Fotopreises 2012 über den Hintergrund seiner prämierten Bilder und darüber, wie relativ er seinen Sieg sieht.

Hans, erzähl kurz die Vorgeschichte zu deinem Gewinn beim APA-Fotopreis 2012!

Hans Groder: Ich hatte ein glückliches Händchen bei der Selektion. Jeder Fotograf produziert pro Jahr ein paar tausend Bilder, die Selektion ist das Ein und Alles. Zu entscheiden, was könnte in der Bewertung beziehungsweise preistechnisch eine Rolle spielen, ist eine Kunst. Und ich hatte auch Glück, denn es ist die subjektive Entscheidung einer Jury. Beim ersten Filtern sind immer auch Themen dabei, die von einer anderen Jury ganz anders bewertet würden, das hast du nicht in der Hand. Als Fotograf ist der Preis für mich total wichtig, aber man darf es auch nicht überbewerten. Es ist ein Motiv, eine Momentaufnahme, die bei genau dieser Jury gut angekommen ist. Das heißt aber noch lange nicht, dass dasselbe Bild bei einer anderen Jury gut ankommen würde. Dieses Jahr habe ich ein Bild von Schispringer Thomas Morgenstern, als er auf dem Kulm stürzte, eingereicht. Und dieses Bild hatte ausschließlich unsere Agentur. Es ist ein super Bild, und wir sind eigentlich davon ausgegangen, dass es preisverdächtig ist – schlussendlich kam es nicht einmal in die engere Selektion.

glo-spo-002Die Gesamtsiegerin im Schiweltcup und x-fache Medaillengewinnerin Maria Riesch in ihrem Trainingsalltag. Das Foto lässt kaum vermuten, dass sie hier auf dem Mölltaler Gletscher unterwegs ist.

War dir die Geschichte hinter deinem Bild bewusst? Dass es sich also hier nicht nur um die berühmte Sportlerin Maria Riesch handelt, sondern dass das Bild auch eine Aussage zum Thema Klimawandel trifft?

Hans Groder: Ja, das war mir klar. Da waren damals insgesamt fünf oder sechs Fotografen auf dem Möllaler Gletscher, die alle dieselben Bilder gemacht haben. Ein deutscher Kollege, der für die DPA fotografiert, hatte die „Mondlandschaft“ viel spektakulärer in Szene gesetzt als ich, mit einem Pistengerät, das im Schotter drinnen steht, der Sonne am Horizont – aber er hat das Foto nicht eingereicht, weil es unüblich wäre, dass er als Deutscher beim APA-Fotopreis einreicht. Das ist irgendwie so ein ungeschriebenes Gesetz. Letztlich hat es aber auch keiner meiner österreichischen Kollegen eingereicht, sonst wäre das Thema vielleicht durch den Raster gefallen. Also noch mal, die Selektion ist extrem wichtig.

Das Bild mit Maria Riesch in der „Mondlandschaft“ des Mölltaler Gletschers war Kategoriesieger und Gesamtsieger. Wir waren aber noch mit einem zweiten Bild nominiert, das einen Bergbauern im Virgental abbildet. Ich habe ihn im Gegenlicht fotografiert, wie er mit der Sense mäht, eigentlich ein ganz unspektakuläres Bild.  Mit eben diesem Bild waren wir in der Kategorie Wirtschaft nominiert, wo man klassischerweise als Provinzfotograf nicht viel zu reden hat. In Wien hat man für diese Kategorie viel die größere Spielwiese. Deshalb hat mich die Nominierung in dieser Kategorie, mit einem Bild, das nur ich hatte, gewaltig gefreut, fast mehr als der Gesamtsieg.

glo-bus-001Die Nominierung dieses Bildes in der Kategorie Wirtschaft, ein echtes Unikat, freut Hans Groder besonders.

Beim Sports Media Preis geht es im Unterschied zum APA-Fotopreis weniger um die Geschichte dahinter, sondern um das Sportfoto als solches. Ein Kollege von GEPA Pictures hat dieses Jahr ein Foto vom spektakulären Sturz des Tschechen Ondrej Bank eingereicht, ich das Sturzfoto von Bode Miller. Er hat einfach das bessere Bild, zurecht ist er nominiert worden und ich nicht. Beim APA-Fotopreis, geht es wiederum um die Story, und da ist die Geschichte mit Bode Miller sicherlich höher einzustufen als der Sturz von Ondrej Bank. Wir werden sehen, ob ich mit diesem Bild nominiert werde, das ich übrigens auch zum World Press Photo Award einreiche. Wenn was dabei rauskommt, schön. Wenn nicht, dann sehe ich es entspannt.

Hans, eine abschließende Frage: Was würdest du einem angehenden Fotografen mit auf den Weg geben wollen?

Hans Groder: Wenn jemand diesen Beruf ausüben will, empfehle ich ihm, sich sehr gut vorzubereiten. Es ist zu wenig, nur auf den Auslöser zu drücken. Was mir auch wichtig erscheint ist, offen für neue Medien zu sein, für Videos usw., für Dinge vor denen wir uns – momentan – noch sträuben. Teilweise ist das natürlich schon da, ich glaube aber, dass es in Zukunft noch stärker kommen wird.

Wobei ich der Meinung bin, es muss sich hier dringend Einiges ändern. Viele Onlineredakteure werden verdonnert, so in der Art, „hier hast du einen Kuli, einen Block, hier hast du eine digitale Spiegelreflexkamera mit Videofunktion, wir brauchen von dir Text, Bild und Video“. Das kann so nicht sein. Einerseits müssen wir Medienmacher da umdenken und dem Auftraggeber klipp und klar sagen, das mach ich nicht, auch wenn er vielleicht jemand Anderen findet, der das macht. Das mag vielleicht auf einer regionalen Ebene Gang und Gäbe und die übliche Praxis sein. Ich halte von diesem Tausendsassa-Modus aber überhaupt nichts, weil man alles nur halb macht. Und natürlich sehe ich auch die Medien in der Verantwortung, die sich sagen, besser was Schlechtes als gar nichts. Natürlich kann man nach diesem Motto auch irgendwie leben, nur trägt das in unserer Zunft nichts Positives bei. Wir haben heute so tolle technische Voraussetzungen, wie wir sie noch nie hatten. Es liegt jetzt wirklich in der Kreativität des Medienmachers, etwas qualitativ Hochwertiges daraus zu machen. Und qualitativ hochwertige Arbeit hat auch ihren Preis. Da sehe ich die alt eingesessen Agenturen voll in der Verantwortung, weil sie den Medien im Grunde den Video Content dazu geschenkt haben. Mittlerweile ist keine Redaktion mehr bereit, auch nur einen Cent für Online-Content auszugeben. Der Online Preis für ein Foto liegt zum Beispiel bei der Kleinen Zeitung um 2,30 Euro. Da muss ich sagen, für 2,30 Euro pro Bild können wir kein Equipment kaufen, keine Termine befüllen, es sei denn er nimmt mir 200 Bilder à 2,30 Euro ab. Weniger Kosten gehen vielfach zu Lasten der Qualität. Deshalb kann ich einem jungen Journalisten nur mit auf den Weg geben, sich nicht aus Kostengründen unter Wert zu verkaufen.

Lass uns noch einmal vom Bewegtbild zur Fotografie zurück kehren. Was erscheint dir aus fotografischer Sicht wichtig für jemanden, der diesen Beruf anstrebt?

Es ist wichtig, die Augen offen zu halten. Mir passiert es sehr oft, dass ich an Szenen vorbei gehe, wo ich mir denke, das ist ein Bombenfoto. Aber ich mache es dann nicht. Beim Fußball heißt es, die Tore, die man nicht schießt, bekommt man. Beim Fotografieren heißt es, die Fotos, die man im Moment nicht macht, die macht man nie mehr wieder. Da muss man sich teilweise selbst bei der Nase nehmen und das Engagement aufbringen. Wenn ich oft auf dem Weg zu einem Termin mit einem komplett anderen Hintergrund bin, nehme ich mir die Zeit, eine Szene, die ich unterwegs sehe, zu fotografieren. Dieser Mehrwert hat mir oft schon ein gutes Zubrot beschert. Es lohnt sich in der Pressefotografie, immer auch schon mit zu überlegen, wo und wie kann ich ein Foto verwerten? Ist das Foto eine Story beziehungsweise passt es zu einer Story? Je besser man diese Dinge erkennt, desto besser kann man irgendwann auch davon leben. Wenn mich ein Kunde zu einem Auftrag schickt und Schema F Bilder haben will, mach ich das natürlich. Zusätzlich versuche ich aber, eigene Bildideen umzusetzen und dem Kunden zu zeigen, schau, das hätten wir auch noch anzubieten. So sieht der Kunde auch, dass hier Eigenengagement dabei ist. Das wirkt sich meistens auch günstig auf Folgeaufträge aus.

Ich bedanke mich herzlich bei meinem guten Freund Hans Groder fürr den detaillierten Einblick in seinen Berufsalltag. Danke, Hans!

(c) Alle Fotos: Hans Groder, EXPA Pictures

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REGINA M. UNTERGUGGENBERGER

Regina wollte schon als kleines Kind Geschichten schreiben. Später, bereits tief im Berufsalltag einer Kommunikationsentwicklerin verankert, wollte sie unbedingt fotografieren. Heute macht sie beides. Sie erzählt Geschichten in Bild und Wort. Geschichten von besonderen Menschen, Plätzen und Begegnungen. Dabei legt sie stets Wert auf die innere Verbindung zu den Menschen, Landschaften und Dingen, die sie portraitiert.

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Das Gegenwärtige ist das Ewige, oder richtiger das Ewige ist das Gegenwärtige, und das Gegenwärtige ist das Erfüllte.

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