Kreta
Gianni Beregno Gardin

Poetischer Fotojournalismus

von | 17. Juni 2016

Das FO.KU.S Fotokunst Stadtforum der BTV in Innsbruck zeigt in Zusammenarbeit mit der Fondazione FORMA per la Fotografia (Mailand) in der aktuellen Ausstellung Bilder von Gianni Berengo Gardin. Die Werkschau umfasst Bilder aus den 50er Jahren des vorigen Jahrhunderts bis heute und ist die erste dieser Form in Österreich.

Berengo Gardin wurde 1930 in der kleinen ligurischen Hafenstadt Santa Margherita Ligure geboren und verliebte sich mit 24 Jahren in die Fotografie, die er in der Folge in den Mittelpunkt seines beruflichen Lebens stellte. Sein besonderes Interesse gilt bis heute der dokumentarischen Fotografie, dabei stellt er fast immer den Menschen in den Mittelpunkt. Berengo Gardin verzichtet auf eine digitale Nachbearbeitung, verwendet ausschließlich analoges Schwarz-Weiß Material und belässt die Bilder so, wie er sie  fotografiert hat. Diese Vorgangsweise passt nach seiner Auffassung am besten zum Genre der Fotodokumentation, die seiner Meinung nach eine möglichst unverfälschte Wiedergabe der vorgefundenen Situation sein soll.

Auch wenn die Dokumentation der Realität seine Absicht ist, so ziehen einen die Bilder Berengo Gardins entweder durch eine magische Poesie in ihren Bann oder man kommt ob der skurrilen abgebildeten Szene zum Schmunzeln. Sein Blick und seine Bildsprache sind in den vergangenen 60 Jahren im Wesentlichen gleich geblieben, so dass man den Jahreszahlen unter den Bildern oft nicht traut.

Die sehr empfehlenswerte Ausstellung ist noch bis 30. Juli 2016 von Montag bis Freitag zwischen  11.00 und 18.00 Uhr sowie am Samstag von 11.00 bis 15.00 Uhr bei freiem Eintritt zu sehen.

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© Gianni Berengo Gardin, Pausa di lavoro bassa, Varese, 1987

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© Gianni Berengo Gardin, In Vaporetto, Venezia, 1960

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© Gianni Berengo Gardin, C’est ça Paris, Paris, 1954

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© Gianni Berengo Gardin Asciano, Toscana, 1965

KLAUS SPIELMANN

Als ausgebildeter Geograf und Geoinformatiker beschäftigt sich Klaus insbesondere mit räumlichen Phänomenen. Dabei ist es unerheblich, ob es sich um natürliche, durch den Menschen gestaltete oder auch virtuelle Räume handelt, auf die er sich als Geograf, Raumplaner, Geoanalytiker, Kartograf oder Fotograf einlässt.

8 Kommentare

  1. Das sind ganz außergewöhnliche Bilder. Bei manchen denke ich, ist das jetzt schon surreal oder gerade noch nicht? Ein recht feiner Humor schwingt jedenfalls mit, und die Gabe, Gegensätzliches zusammen zu führen.

  2. Lieber Klaus, nachdem sich die Ausstellung bei unserem Klassentreffen nicht ausgegangen ist, gewährst du uns mit diesem Artikel einen ersten Einblick. Ich für meinen Teil bin nun angefixt, und werde mir die Ausstellung gewiss noch ansehen.

  3. Für mich leider viel zu weit, sonst hätte ich mir die Ausstellung gern angesehen. Das erste Bild wird mich noch lange beschäftigen. Als Dokumentar-Fotograf wird er das nicht gestellt haben und so kann sich der Betrachter im Grübeln darüber verlieren, was da passiert sein könnte.

  4. @lichtbildwerkerin
    ja, ich frage mich auch, was da passiert sein kann. eigentlich ist es ja vollkommen irrwitzig, so eine szene fotografieren zu können. und das ist auch das schöne an der fotografie, dass sie einen immer wieder überrascht.

  5. Ich habe wegen dem ersten Bild Google Translate mit dem Titel gefüttert, es kommt so etwas wie „niedrige Arbeitspause“ heraus – sinngemäß wohl eher „tief liegende Arbeitspause“

  6. Vor dem Bild bleibt man natürlich unwillkürlich stehen. Es zeigt aber keinen Notfall, sondern lediglich eine mehr oder weniger gemütliche Siesta.

  7. Bin fasziniert. Also für eine Siesta würden mir jede Menge Orte einfallen. Aber zu diesem Zweck unter einen Tisch zu liegen …?

  8. Auch in mir ist der feste Vorsatz entstanden, diese Ausstellung anzuschauen, wenn es auch eine weite Anreise bedeutet. Das sind Fotos, die man ganz lange betrachtet, die einen magisch in den Bann ziehen.

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