Kreta
Mitten im Nirgendwo

Die melancholische Weite Westsibiriens

von | 3. September 2015

Abgeerntete Ackerflächen und Steppe bis zum Horizont. Himmel und Erde treffen sich in einer Linie, die mit Wasserwaage und Lineal gezogen scheint. Immer wieder wird diese Zweisamkeit durch endlos scheinende Baumreihen sowie mehr oder weniger ausgedehnte Waldstücke unterbrochen. Auf Abwechslung lassen Strom- und Telefonleitungen hoffen, die am Horizont auftauchen. Aber auch sie spannen sich schnurgerade von der einen Seite des Horizonts bis zur anderen Seite. Es gibt auch keinen erkennbaren Grund, warum das anders sein sollte.

Die Straße, auf der wir bereits seit Stunden von Nowosibirsk nach Süden unterwegs sind, schaut aus wie ein frisch gebügeltes farbloses Band, das auf die Landschaft gelegt wurde. Die monoton graue Wolkendecke schluckt jede kleine Kontur der Landschaft und verstärkt die überwältigende Monotonie der ebenen Weite.

spielmann_150420_896_Westsibirien

Mich fasziniert diese Stimmung und die schier grenzenlose Landschaft, zumal sich dieses Bild grundlegend von meinem gewohnten Blick unterscheidet, der zuhause in jeder Richtung abrupt an mehr oder weniger nahen Bergen endet.

spielmann_150418_504_tm

spielmann_150418_626_Westsibirien

Als sich die geschlossene Wolkendecke langsam auflöst, beginnen die Wolken aufregende Strukturen zu bilden. Es scheint, als ob sich am Himmel ein Gegenkonzept zur Erde entwickelt und es entsteht eine gigantische Wolkenlandschaft, die sich ständig verändert. Die Sonne bahnt sich immer neue direkte und indirekte Wege zur Erde, und liefert eine überwältigende Lichtshow.

spielmann_150420_1112_Westsibirien

spielmann_150420_1093_tm

KLAUS SPIELMANN

Als ausgebildeter Geograf und Geoinformatiker beschäftigt sich Klaus insbesondere mit räumlichen Phänomenen. Dabei ist es unerheblich, ob es sich um natürliche, durch den Menschen gestaltete oder auch virtuelle Räume handelt, auf die er sich als Geograf, Raumplaner, Geoanalytiker, Kartograf oder Fotograf einlässt.

2 Kommentare

  1. Lieber Klaus, ich finde deine konzeptionelle Betrachtungsweise einfach großartig. Da ich ja früher mal eine „Slawistin“ war (und tief in meinem Herzen noch immer bin), lasse ich mich von dieser Melancholie immer gerne anstecken. Ich freu mich auf die Fortsetzung …

  2. ich schätze diese literarische Schreibweise, ruhig und elegant, wie sie hinter die Bilder zurücktritt und diese doch sehr passend ergänzt! Das letzte Bild lässt einen annehmen, es hätte ein Komet ein Loch in den Himmel gerissen.

Einen Kommentar abschicken

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

11 − neun =