Schneeschuhwanderung
SCHNEESCHUHWANDERUNG

VON DER STILLE DES SCHNEES

von | 10. Januar 2015

Es ist Sonntag, der 4. Jänner 2015, eine Einladung zu einer Schneeschuhwanderung am Dreikönigstag liegt mir vor. Ich betrachte kurz die Wettervorhersage, und schätze das Potenzial für Reue aufgrund des Erlebnisverzichts bei Nicht-Teinahme für groß ein. Deshalb sage ich kurzerhand zu. Es ist das erste Mal, dass ich bei einer Sunshine-Tour dabei bin. Das sind spontane Bergsport-Aktivitäten, die über Facebook organisiert werden, und über die ich nur Gutes gehört habe.

Ich darf bei einer Teilnehmerin mitfahren, und aufgrund der angeregten Plauderei und der vom Himmel lachenden Sonne vergeht die Zeit der Anreise ins Mürztal recht schnell. Bis es mit zwölf Teilnehmerinnen und Teilnehmern und einem Hund endlich losgeht, ist es später Vormittag, denn Schneeketten wollen auch ausgepackt und angelegt werden. Aber, wie sich später herausstellt, ist das kein Unglück.

Der Weg führt vorerst durch den dichten, tief verschneiten Wald, der drei Tage vorher noch grün war. Der Schnee ist trocken und leicht, nur unsere Schneeschuhe knirschen. Der Wald ist still, denn der Schnee ist weich, so weich, dass ich mit den Schneeschuhen knietief einsinke, wenn ich die Spur verlasse. Ich mag diese Stille, weil sie so selten geworden ist. Der Himmel ist hier südlich des Semmerings beinahe vollständig bedeckt. Das von der Gruppe angeschlagene Tempo erlaubt mir, gelegentlich kurz für ein Foto stehen zu bleiben.

Eine Stunde später gelangen wir in freieres und flacheres Gelände, und langsam wird auch die Wolkendecke löchriger. Die Bäume sind hier nicht nur von oben verschneit, sondern auch von der Seite angeweht, von einer Seite her also fast vollständig weiß. Der Wind hat dem Schnee vielfältige Formen gegeben. Bei Ankunft auf dem Rosegger Haus dürfen wir uns über nur noch leicht bewölkten Himmel freuen, und es ist Zeit für eine Übung mit dem Lawinensuchgerät. Dann gibt es Essen in der geheizten Gaststube.

Gestärkt und gewärmt drehen wir unsere Nasen in den Wind und genießen das beinahe unglaubliche Licht. Es ist 15 Uhr, die Sonne steht schon recht tief, die Täler sind entsprechend schattig, kleine Wolken stauen sich an den Höhen. Genau diese Art von Anblick ist es, die mich in die Berge zieht. Es vergeht kaum eine Minute, ohne dass ich für ein Foto stehenbleibe, obwohl die Kälte mein Gesicht beißt. Einige Fotos später ist die Amundsenhöhe (1666m) erreicht, und der Blick nach Westen frei. Rax, Schneeberg, Schneealpe, Semmering, Stuhleck, in der Ferne der Hochschwab, alles ist in Dämmerlicht getaucht, und der Wind reißt die Wolken dramatisch auseinander. Im Tal sind schon einige Lichter an. Außer uns ist kaum noch jemand unterwegs. Von Osten bricht die Nacht herein, der Himmel ist hier purpurfarben.

Beim Gasthof auf der Ganzalm borgen wir uns gegen geringes Entgelt Rodeln aus, mit denen wir zurück zu den Fahrzeugen gelangen. Die Fahrt durch den schon recht finsteren Wald schließt diesen so beglückenden Tag mit einem kleinen Abenteuer, denn ich bin ohne Stirnlampe unterwegs. Ich bin froh, dabei gewesen zu sein.

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HIER SCHREIBT

GOTTFRIED JÄGER

Darum geht es in Gottfrieds Fotos: Eine Szene, eine Stimmung, eine Wahrnehmung in ein Bild fließen zu lassen – aufzunehmen – um sie dann mit Anderen zu teilen. Die digitale Fotografie fasziniert ihn wegen der einfachen Zugänglichkeit des Teilens von Bildern mit beliebig vielen Menschen auf dem ganzen Planeten. Gleichzeitig erschreckt es ihn, wie wenig Aufmerksamkeit dem einzelnen Bild aufgrund der dadurch entstehenden Menge zukommt. Wenn eines seiner Bilder die Betrachterin, den Betrachter berührt, ist viel gelungen.

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Nicht eine Vorstellung realisieren, sondern eine Realität vorstellen, das ist: Fotografie.

Gottfried Jäger (der Andere)

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